Die Nasdaq war 1971 die erste vollelektronische Börse der Welt – ohne Parkett, ohne Zurufhandel, nur ein Netz aus Bildschirmen. Heute notieren dort die wertvollsten Technologiekonzerne der Welt.
Das Wichtigste in Kürze
| Land | 🇺🇸 USA |
| Sitz | New York, Times Square |
| Gegründet | 8. Februar 1971 |
| Betreiber | Nasdaq, Inc. |
| Notierte Unternehmen | rund 3.500 |
| Handelszeiten | 9:30 bis 16:00 Uhr Ortszeit, 15:30 bis 22:00 Uhr MEZ |
| Währung | US-Dollar |
| Leitindizes | Nasdaq 100, Nasdaq Composite |
Wie die Nasdaq funktioniert
Anders als die NYSE kennt die Nasdaq keine Designated Market Maker mit Präsenzpflicht auf einem Parkett. Stattdessen konkurrieren mehrere elektronische Market Maker um jede Order – bei großen Werten sind es Dutzende gleichzeitig.
Dieses Modell heißt Dealer-Markt: Die Händler stellen laufend Kauf- und Verkaufskurse und verdienen an der Spanne dazwischen. Je mehr Teilnehmer, desto enger wird diese Spanne.
Der gesamte Ablauf läuft in Rechenzentren ab. Die Börse vermietet Stellplätze direkt neben ihren Servern, damit Handelsfirmen ihre Signalwege verkürzen können – ein Geschäft, das inzwischen einen spürbaren Teil der Erlöse ausmacht.
Die Rolle der Handelsfirmen
Ein erheblicher Teil des Volumens stammt von automatisierten Handelsfirmen, die Positionen oft nur Sekunden halten. Sie stellen fortlaufend Kurse und verdienen an minimalen Spannen bei sehr hohen Stückzahlen.
Für Privatanleger hat das zwei Seiten. Die Spannen sind so eng wie nie, was jeden Kauf verbilligt. Zugleich verschwindet diese Liquidität in turbulenten Phasen mitunter binnen Sekunden – weshalb Orders ohne Limit gerade dann gefährlich werden, wenn es hektisch wird.
Die drei Notierungsebenen
| Segment | Anforderungen | Typische Unternehmen |
|---|---|---|
| Nasdaq Global Select Market | höchste Anforderungen an Größe und Streubesitz | die großen Technologiekonzerne |
| Nasdaq Global Market | mittlere Anforderungen | etablierte mittelgroße Unternehmen |
| Nasdaq Capital Market | niedrigste Schwellen | kleinere und junge Unternehmen |
Diese Abstufung erklärt die hohe Zahl der Notierungen: Die Nasdaq listet deutlich mehr Unternehmen als die NYSE, darunter viele kleine Werte mit geringem Handelsvolumen.
Geschichte
Die Abkürzung stand ursprünglich für National Association of Securities Dealers Automated Quotations – ein System, das zunächst nur Kurse anzeigte, nicht handelte. Erst später kam die Ausführung hinzu.
Prägend war die Technologieblase um das Jahr 2000: Der Nasdaq Composite verlor nach seinem Hoch rund drei Viertel seines Werts und brauchte fünfzehn Jahre, um dieses Niveau wieder zu erreichen. Die Episode gilt bis heute als Lehrstück über Bewertungen, die sich von Gewinnen lösen.
Warum Technologiewerte dort notieren
Historisch waren die Zugangshürden niedriger als an der NYSE, was junge Unternehmen anzog. Als Microsoft, Intel und später Apple, Amazon und Alphabet dort groß wurden, entstand ein Sogeffekt: Wer als Technologieunternehmen an die Börse geht, wählt die Nasdaq, weil dort die passenden Investoren und Analysten sitzen.
Die Folge ist eine Konzentration, die bei der Indexbetrachtung wichtig wird: Im Nasdaq 100 machen die größten Werte einen erheblichen Teil der Gewichtung aus. Wer dort investiert, kauft weniger einen Querschnitt als eine Wette auf wenige Konzerne.
Schutzmechanismen
| Mechanismus | Wirkung |
|---|---|
| Circuit Breaker | marktweite Pausen bei minus 7, 13 und 20 Prozent im S&P 500 |
| Limit Up-Limit Down | Bandbreiten für Einzelwerte gegen Ausreißer |
| Eröffnungs- und Schlusskreuzung | gebündelte Feststellung zu Handelsbeginn und -ende |
| Halts bei Nachrichten | Aussetzung, bis eine Mitteilung verarbeitet ist |
Was die Nasdaq sonst noch betreibt
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Nasdaq US | Aktien- und Optionsmärkte in den USA |
| Nasdaq Nordic | Börsen in Stockholm, Kopenhagen, Helsinki und Island |
| Nasdaq Baltic | Börsen in Tallinn, Riga und Vilnius |
| Börsentechnik | Handelssysteme, die weltweit an andere Börsen lizenziert werden |
| Indexgeschäft | Berechnung und Lizenzierung der Nasdaq-Indizes |
Die Technik ist dabei ein eigenständiges Geschäft: Zahlreiche Börsen in Europa, Asien und dem Nahen Osten lassen ihre Handelssysteme von der Nasdaq betreiben. Wer über Stockholm oder Kopenhagen handelt, nutzt dieselbe Infrastruktur wie in New York.
Was der Handel kostet
Wie an allen großen Börsen zahlen Privatanleger die Gebühren nicht direkt, sondern über das Ordergeld ihres Brokers. Spürbar sind die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs sowie der Aufschlag beim Währungstausch.
Bei den großen Nasdaq-Werten ist die Spanne während der US-Handelszeit sehr eng, weil viele Market Maker konkurrieren. Außerhalb dieser Zeiten weitet sie sich deutlich – ein Grund, Käufe in das Nachmittagsfenster zu legen. Einen Überblick der Anbieter bietet der Broker-Vergleich.
Für deutsche Anleger
Nasdaq-Werte lassen sich über deutsche Handelsplätze wie Xetra, gettex oder LS Exchange in Euro handeln. Die Kursfeststellung folgt dabei dem amerikanischen Original, ergänzt um den Wechselkurs.
Zwischen 15:30 und 22:00 Uhr MEZ läuft der Handel in den USA. In diesem Fenster sind Spannen an den deutschen Plätzen am engsten, weil die Market Maker sich direkt absichern können.
Ein Blick auf die Größenverhältnisse. Gemessen am Börsenwert der notierten Unternehmen liegen NYSE und Nasdaq weltweit auf den ersten beiden Plätzen, mit deutlichem Abstand vor Shanghai und Hongkong. Allein die größten Technologiekonzerne der Nasdaq wiegen mehr als ganze europäische Aktienmärkte.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nasdaq 100 und Nasdaq Composite?
Der Nasdaq 100 enthält die 100 größten Werte ohne Finanztitel, der Composite alle rund 3.500 notierten Unternehmen. Der Composite ist breiter, wird aber ebenfalls von den Schwergewichten dominiert.
Ist die Nasdaq riskanter als die NYSE?
Nicht die Börse selbst, wohl aber ihre Zusammensetzung. Technologiewerte reagieren empfindlicher auf Zinsen und Gewinnerwartungen – siehe Volatilität.
Kann ich dort auch außerhalb der Handelszeiten handeln?
Vor- und nachbörslich ist Handel möglich, allerdings mit geringeren Umsätzen und größeren Spannen. Für Privatanleger ist das selten vorteilhaft.
Einordnung
Die Nasdaq hat den Börsenhandel technisch geprägt: Was 1971 als Kursanzeige begann, ist heute das Modell praktisch aller Börsen weltweit – auch Xetra folgt demselben Prinzip.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist sie weniger ein Handelsplatz als ein Branchenindikator. Wer von der Nasdaq spricht, meint meist nicht die Börse, sondern die Entwicklung der Technologiewerte. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.
Quellen
- Nasdaq, Handelszeiten und Feiertagskalender
- Nasdaq Listing Center – Anforderungen der drei Notierungsebenen
- US Securities and Exchange Commission – Regelwerk zu Handelsunterbrechungen
Stand: 25. September 2026. Handelszeiten können an Feiertagen abweichen. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.