SIX Swiss Exchange: Die Börse in Zürich

Die SIX Swiss Exchange in Zürich ist gemessen am Börsenwert einer der größten Handelsplätze Europas – obwohl dort nur rund 250 Unternehmen notieren. Der Grund liegt in der Größe weniger Konzerne aus Pharma, Konsum und Finanzwesen.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇨🇭 Schweiz
SitzZürich
Entstanden1993 durch Zusammenschluss der Börsen Zürich, Genf und Basel
BetreiberSIX Group
Notierte Unternehmenrund 250
Handelszeiten9:00 bis 17:20 Uhr MEZ
WährungSchweizer Franken
LeitindexSMI

Wenige Werte, hohes Gewicht

Der Schweizer Markt ist extrem konzentriert. Drei Konzerne – zwei Pharmaunternehmen und ein Nahrungsmittelhersteller – machen zusammen einen erheblichen Teil des Leitindex aus.

Für Anleger hat das zwei Seiten. Die enthaltenen Unternehmen zählen zu den defensivsten Europas: Medikamente und Lebensmittel werden auch in Rezessionen gekauft. Zugleich hängt der gesamte Index an wenigen Titeln – enttäuscht eine Zulassungsstudie, trifft das den ganzen Markt.

Diese Zusammensetzung erklärt, warum der Schweizer Markt in Krisen oft stabiler ist als der deutsche oder französische, in Aufschwungphasen aber zurückbleibt.

Geschichte

Die Schweizer Börsen in Zürich, Genf und Basel bestanden seit dem 19. Jahrhundert nebeneinander. 1993 schlossen sie sich zusammen, 1996 folgte die vollständige Umstellung auf den elektronischen Handel – als eine der ersten Börsen weltweit.

2019 sorgte ein Streit mit der Europäischen Union für Aufsehen: Brüssel verweigerte der Schweiz die Anerkennung als gleichwertiger Handelsplatz, worauf die Schweiz den Handel mit Schweizer Aktien an EU-Börsen untersagte. Der Handel verlagerte sich vollständig nach Zürich. Seit 2023 ist die Anerkennung wieder in Kraft.

Wie der Handel abläuft

PhaseUhrzeit (MEZ)
Ordersammlung6:00 bis 9:00 Uhr
Eröffnungsauktion9:00 Uhr
Fortlaufender Handel9:00 bis 17:20 Uhr
Schlussauktion17:20 bis 17:30 Uhr
Handel zum Schlusskurs17:30 bis 17:40 Uhr

Der Ablauf entspricht dem an Xetra: ein zentrales Orderbuch, Auktionen an beiden Enden des Tages, Betreuer für weniger gehandelte Werte. Auch die Schutzmechanismen ähneln sich – bei zu starken Kursbewegungen unterbricht das System den Handel und startet eine Auktion.

Der Franken als Faktor

Der Schweizer Franken gilt als Fluchtwährung: In Krisen fließt Kapital in die Schweiz, der Franken wertet auf. Für deutsche Anleger ist das ein doppelter Effekt.

SituationWirkung auf das Depot
Franken wertet aufder Wert der Position in Euro steigt, unabhängig vom Aktienkurs
Franken wertet abder Euro-Wert sinkt, selbst bei unverändertem Kurs
Krise an den Märktenmeist Aufwertung des Frankens, was Kursverluste teilweise abfedert

Für die Unternehmen selbst wirkt ein starker Franken dagegen belastend, weil sie den Großteil ihrer Erlöse im Ausland erzielen. Beide Effekte laufen gegeneinander.

Was die SIX Group sonst betreibt

BereichInhalt
AktienhandelHaupt- und Nebenwerte der Schweiz
Anleiheneiner der größten Märkte für Frankenanleihen
Strukturierte ProdukteZertifikate und Hebelprodukte in großer Zahl
Abwicklung und Verwahrungeigene Dienste für den Schweizer Markt
Bolsas y Mercados Españolesdie spanische Börsengruppe, 2020 übernommen
ZahlungsverkehrInfrastruktur für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in der Schweiz

Mit der Übernahme der spanischen Börse gehört auch die Bolsa de Madrid zur Gruppe. Damit betreibt die SIX zwei nationale Märkte und rückte in der europäischen Rangfolge nach vorn.

Die Indizes

IndexInhalt
SMIdie 20 größten und liquidesten Werte
SMI MIDdie folgenden 30 mittelgroßen Unternehmen
SPIbreiter Gesamtmarkt mit über 200 Titeln

Der SMI ist ein Kursindex, bei dem Dividenden nicht eingerechnet werden – anders als beim DAX, der als Performanceindex geführt wird. Wer beide vergleicht, unterschätzt den Schweizer Markt deshalb systematisch. Für einen fairen Vergleich dient der SMI Total Return.

Für deutsche Anleger

Schweizer Aktien sind über Xetra und die anderen deutschen Plätze in Euro handelbar. Der direkte Handel in Zürich ist bei vielen Brokern möglich.

Die Quellensteuer ist der wichtigste Punkt. Die Schweiz behält auf Dividenden 35 Prozent ein. Davon lassen sich 15 Prozentpunkte auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen, die restlichen 20 muss man sich über ein Formular bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung zurückholen.

Dieses Verfahren lohnt erst ab gewissen Beträgen. Wer gezielt auf Dividenden setzt, sollte den Aufwand einkalkulieren – mehr zur Besteuerung im Beitrag zur Abgeltungsteuer.

Warum so wenige Unternehmen notieren

Die Schweiz hat viele große, aber wenige börsennotierte Unternehmen. Zahlreiche Firmen befinden sich in Familienbesitz oder werden von Stiftungen gehalten und sehen keinen Anlass, Kapital über die Börse aufzunehmen.

Hinzu kommt die Struktur der Wirtschaft: Neben den Großkonzernen dominieren mittelständische Zulieferer, die für eine Notierung zu klein sind. Der Markt ist damit weniger ein Abbild des Landes als eine Auswahl seiner internationalsten Unternehmen.

Für Anleger heißt das: Ein Schweizer Index liefert kaum Streuung über Branchen. Als Beimischung zu einem breiteren Depot ist er dennoch interessant, weil er sich anders verhält als der deutsche oder amerikanische Markt – siehe Diversifikation.

Häufige Fragen

Warum ist der Schweizer Markt so defensiv?

Weil Pharma und Nahrungsmittel den Index dominieren. Beide Branchen hängen wenig am Konjunkturzyklus.

Lohnt sich der direkte Handel in Zürich?

Bei großen Werten selten – die deutschen Plätze bieten ähnliche Kurse ohne Währungswechsel. Bei Nebenwerten ohne deutsche Notierung führt kein Weg daran vorbei.

Einordnung

Die SIX ist ein kleiner Markt mit sehr großen Unternehmen. Wer Stabilität sucht, findet hier die defensivsten Werte Europas.

Aus Sicht der Marktteilnehmer sind zwei Dinge zu beachten: die Abhängigkeit von wenigen Konzernen und die Quellensteuer, die einen Teil der Dividende zunächst bindet. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.

Quellen

Stand: 25. September 2026. Handelszeiten können an Feiertagen abweichen. Steuerliche Angaben ersetzen keine Beratung. Keine Anlageberatung.

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