Die London Stock Exchange ist die wichtigste Börse Europas und einer der ältesten Handelsplätze der Welt. Ihre Bedeutung reicht über den Aktienhandel hinaus: In London werden Referenzpreise für Gold, Silber und zahlreiche Industriemetalle festgestellt.
Das Wichtigste in Kürze
| Land | 🇬🇧 Großbritannien |
| Sitz | Paternoster Square, London |
| Gegründet | 1801, Ursprünge im 17. Jahrhundert |
| Betreiber | London Stock Exchange Group |
| Notierte Unternehmen | rund 1.800 |
| Handelszeiten | 8:00 bis 16:30 Uhr Ortszeit, 9:00 bis 17:30 Uhr MEZ |
| Währung | Britisches Pfund, Notierung meist in Pence |
| Leitindex | FTSE 100 |
Die Segmente
| Markt | Ausrichtung | Anforderungen |
|---|---|---|
| Main Market | etablierte Unternehmen | hohe Anforderungen an Größe, Streubesitz und Berichtswesen |
| AIM | wachsende Unternehmen | deutlich niedrigere Schwellen, eigener Berater verpflichtend |
| International Order Book | ausländische Werte in Dollar | Hinterlegungsscheine, vor allem aus Schwellenländern |
AIM ist ein Sonderfall: Der Markt für kleinere Unternehmen arbeitet mit einem Nominated Adviser, der die Eignung eines Kandidaten prüft und dauerhaft begleitet. Diese Konstruktion senkt die Hürden, verlagert aber die Verantwortung auf private Prüfer statt auf eine Behörde.
Geschichte
Der Handel mit Anteilen begann im 17. Jahrhundert in den Kaffeehäusern der Stadt, vor allem bei Jonathan’s in der Change Alley. 1801 gaben sich die Händler ein förmliches Regelwerk – der Beginn der Börse in ihrer heutigen Form.
Einschnitte waren der Big Bang von 1986, als der Parketthandel abgeschafft und der Markt für ausländische Häuser geöffnet wurde, sowie der Austritt aus der Europäischen Union, der Teile des Handels auf den Kontinent verlagerte.
Die Betreibergesellschaft hat sich parallel gewandelt: Heute stammt der größte Teil ihrer Erlöse aus Datengeschäft und Analysediensten, nicht mehr aus dem Handel selbst.
Wie der Handel abläuft
| Phase | Uhrzeit (MEZ) |
|---|---|
| Ordersammlung | 8:50 bis 9:00 Uhr |
| Eröffnungsauktion | 9:00 Uhr |
| Fortlaufender Handel | 9:00 bis 17:30 Uhr |
| Schlussauktion | 17:30 bis 17:35 Uhr |
| Nachhandel | bis 18:15 Uhr |
Bei sehr liquiden Werten läuft der Handel über ein zentrales Orderbuch, vergleichbar mit Xetra. Für weniger gehandelte Titel stellen Market Maker verbindliche Kurse – ein Modell, das dem deutschen Spezialistenhandel ähnelt.
Der Finanzplatz über die Börse hinaus
Londons Gewicht beruht weniger auf dem Aktienhandel als auf den Märkten drumherum. Die London Bullion Market Association setzt den Standard für Goldbarren und stellt zweimal täglich den Referenzpreis fest, an dem sich der Welthandel orientiert.
Die London Metal Exchange, seit 2012 im Besitz der Hongkonger Börse, liefert die Referenzpreise für Kupfer, Aluminium und andere Industriemetalle. Dazu kommt der größte Devisenhandelsplatz der Welt.
Für Anleger heißt das: Auch wer nie eine britische Aktie kauft, ist von Londoner Preisfeststellungen betroffen – etwa beim Goldpreis.
Was den Markt prägt
Der FTSE 100 ist kein Spiegel der britischen Wirtschaft. Die enthaltenen Konzerne erzielen den Großteil ihrer Erlöse im Ausland – Ölgesellschaften, Bergbaukonzerne, Pharmaunternehmen und global tätige Konsumgüterhersteller.
Daraus folgt eine Besonderheit: Ein schwaches Pfund hilft dem Index, weil ausländische Erlöse in Pfund umgerechnet mehr wert sind. Die Börse reagiert deshalb mitunter gegenläufig zur heimischen Konjunktur.
Seit dem Austritt aus der Europäischen Union hat London Marktanteile im Aktienhandel an Amsterdam und Paris verloren. Im Anleihe-, Devisen- und Rohstoffgeschäft blieb die Stellung dagegen weitgehend unangetastet.
Die Indexfamilie
| Index | Inhalt |
|---|---|
| FTSE 100 | die 100 größten Werte, stark international ausgerichtet |
| FTSE 250 | die folgenden 250 Unternehmen, näher an der britischen Binnenwirtschaft |
| FTSE All-Share | breiter Marktdurchschnitt aus beiden |
| FTSE AIM All-Share | das Wachstumssegment |
Der Unterschied zwischen FTSE 100 und FTSE 250 ist für die Einschätzung wichtig: Der große Index folgt den Weltmärkten und dem Pfundkurs, der mittlere eher der britischen Konjunktur. Wer auf die Binnenwirtschaft setzen will, greift zum FTSE 250.
Dividenden britischer Aktien
Britische Unternehmen schütten traditionell hohe Dividenden aus, viele davon halbjährlich oder quartalsweise. Großbritannien erhebt auf Dividenden an ausländische Anleger keine Quellensteuer – ein Vorteil gegenüber Ländern wie der Schweiz oder Frankreich, wo ein Teil zunächst einbehalten wird.
Für deutsche Anleger
Britische Aktien lassen sich über Xetra und die anderen deutschen Plätze in Euro handeln. Der Handel direkt in London ist bei vielen Brokern möglich, verursacht aber Währungskosten.
Eine Eigenheit sorgt regelmäßig für Verwirrung: Britische Aktien notieren meist in Pence, nicht in Pfund. Ein Kurs von 2.450 bedeutet also 24,50 Pfund. Wer das übersieht, verschätzt sich um den Faktor hundert.
Beim Kauf britischer Aktien fällt zudem die Stempelsteuer an, üblicherweise 0,5 Prozent des Kaufpreises. Sie gilt beim Erwerb, nicht beim Verkauf, und wird vom Broker automatisch abgeführt – bei AIM-Werten entfällt sie.
Die Rolle der Hinterlegungsscheine
Über das International Order Book handeln Anleger Papiere von Unternehmen aus Russland, Indien, Ägypten oder dem Nahen Osten – meist als Global Depositary Receipts, also Hinterlegungsscheine auf im Heimatland verwahrte Aktien.
Der Vorteil liegt in der Abwicklung: Gehandelt wird in Dollar nach britischem Recht, ohne dass ein Depot im Herkunftsland nötig wäre. Das Unternehmensrisiko und die politischen Risiken des Heimatmarkts bleiben davon allerdings unberührt.
Häufige Fragen
Warum notieren die Kurse in Pence?
Eine historische Konvention, die beibehalten wurde. Sie erlaubt feinere Kursabstufungen bei niedrigpreisigen Aktien.
Was ist der Unterschied zwischen Main Market und AIM?
Der Main Market steht unter behördlicher Aufsicht mit hohen Zulassungsanforderungen. AIM richtet sich an kleinere Unternehmen und arbeitet mit privaten Beratern als Prüfinstanz – entsprechend höher ist das Risiko.
Einordnung
London ist im Aktienhandel nicht mehr unangefochten, als Finanzplatz insgesamt aber weiterhin führend in Europa.
Aus Sicht der Marktteilnehmer liegt die eigentliche Bedeutung in den Referenzpreisen für Edelmetalle, Industriemetalle und Devisen. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.
Quellen
- London Stock Exchange, Marktstruktur und Handelszeiten
- London Bullion Market Association – Referenzpreise für Gold und Silber
- HM Revenue and Customs – Stempelsteuer beim Aktienkauf
Stand: 25. September 2026. Handelszeiten können an Feiertagen abweichen. Steuerliche Angaben ersetzen keine Beratung. Keine Anlageberatung.