Was ist der S&P 500? Der wichtigste Aktienindex der Welt einfach erklärt

von user

Der S&P 500 ist der meistzitierte Aktienindex der Welt und gilt als das wichtigste Barometer für die Verfassung der US-Wirtschaft. Wenn in den Nachrichten von „den Märkten“ die Rede ist, ist damit in den meisten Fällen dieser Index gemeint.

Aktueller Kurs: Den Chart mit der Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt die Kursseite S&P 500 Kurs. Alle Indizes im Vergleich: Aktienindizes im Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇺🇸 USA
AnbieterS&P Dow Jones Indices
Unternehmen500
Gewichtungnach Streubesitz-Marktkapitalisierung
Auswahldurch ein Indexkomitee nach festen Regeln

Die Definition

Der S&P 500 (Standard & Poor’s 500) bildet die Aktienkurse von 500 der größten börsennotierten Unternehmen in den USA ab. Er wird von S&P Dow Jones Indices berechnet und nach freefloat-bereinigter Marktkapitalisierung gewichtet – das heißt, nur der tatsächlich frei handelbare Anteil der Aktien fließt in die Berechnung ein, nicht etwa Anteile, die fest in Familienbesitz oder bei der Regierung liegen.

Die 15 größten Werte im Index

Bei 503 Indexmitgliedern verzichten wir hier auf die vollständige Liste und zeigen stattdessen die aktuell größten Positionen nach Indexgewicht – diese wenigen Werte bestimmen einen überproportionalen Teil der Indexbewegung.

RangUnternehmenKürzelGewicht
1NvidiaNVDA7,94 %
2AppleAAPL6,66 %
3MicrosoftMSFT5,29 %
4AmazonAMZN3,98 %
5Alphabet (Class A)GOOGL3,04 %
6Alphabet (Class C)GOOG2,84 %
7BroadcomAVGO2,43 %
8Meta PlatformsMETA2,24 %
9TeslaTSLA2,00 %
10Micron TechnologyMU1,64 %
11Berkshire Hathaway (Class B)BRK.B1,55 %
12Eli LillyLLY1,46 %
13JPMorgan ChaseJPM1,36 %
14WalmartWMT1,21 %
15Advanced Micro DevicesAMD1,11 %

Alle Aktienindizes im Überblick

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Quelle: Slickcharts / SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) Holdings, Stand September 2026. Gewichte schwanken börsentäglich mit den Kursen. Diese 15 Werte allein machen bereits deutlich mehr als 40 Prozent der gesamten Indexgewichtung aus – ein Hinweis auf die hohe Konzentration des Index auf wenige Technologiekonzerne.

Geschichte

Vorläufer des Index gab es bereits seit den 1920er-Jahren, die heutige Form mit 500 Werten wurde jedoch erst 1957 eingeführt. Seither hat sich der S&P 500 als der zentrale Referenzpunkt für die Wertentwicklung des US-Aktienmarktes etabliert und wird von unzähligen Fondsmanagern als Vergleichsmaßstab (Benchmark) für die eigene Performance genutzt.

Wer darf in den Index?

Anders als oft angenommen, ist die Aufnahme in den S&P 500 kein rein automatischer Prozess anhand fester Grenzwerte. Ein Auswahlgremium bei S&P Dow Jones Indices, das sogenannte Index Committee, entscheidet über Auf- und Ausschlüsse. Grundvoraussetzungen sind unter anderem: Sitz in den USA, eine Mindestmarktkapitalisierung, ausreichende Liquidität im Handel, ein ausreichender Streubesitz sowie in der Regel eine positive Ertragslage in den vorangegangenen Quartalen. Die genaue Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft.

Die elf Sektoren des S&P 500

Jedes Unternehmen im Index ist genau einem Sektor zugeordnet. Die Einteilung folgt dem weltweit üblichen Standard GICS, den die Indexanbieter S&P und MSCI gemeinsam pflegen. Weil die Bezeichnungen international einheitlich englisch sind, finden Sie sie auf US-Portalen genau so wieder – deshalb hier beide Schreibweisen.

Sektor (englisch)Deutsche BezeichnungTypische UnternehmenGewicht im Index
Information TechnologyInformationstechnologieChiphersteller, Software, Hardwarerund ein Drittel
FinancialsFinanzwesenBanken, Versicherer, Zahlungsdienstleisteretwa 13 Prozent
Consumer DiscretionaryZyklischer KonsumAutohersteller, Onlinehandel, Restaurants, Reisenetwa 10 Prozent
Communication ServicesKommunikationsdiensteInternetkonzerne, Mobilfunk, Medienetwa 10 Prozent
Health CareGesundheitswesenPharma, Medizintechnik, Krankenversichereretwa 9 Prozent
IndustrialsIndustrieMaschinenbau, Luftfahrt, Transport, Rüstungetwa 8 Prozent
Consumer StaplesBasiskonsumLebensmittel, Getränke, Drogerie, Supermärkteetwa 5 Prozent
EnergyEnergieÖl- und Gasförderung, Raffinerienetwa 3 Prozent
UtilitiesVersorgerStrom- und Gasnetze, Kraftwerkeetwa 2 bis 3 Prozent
Real EstateImmobilienImmobiliengesellschaften und REITsetwa 2 Prozent
MaterialsGrundstoffeChemie, Baustoffe, Bergbau, Industriegaseetwa 2 Prozent

Die Gewichte sind Größenordnungen und verschieben sich mit den Kursen. Seit dem KI-Boom ist Information Technology so stark gewachsen, dass der Sektor allein etwa so viel wiegt wie die sechs kleinsten zusammen – ein Punkt, den viele Anleger unterschätzen, die den Index für breit gestreut halten.

Zyklisch oder defensiv – der wichtigste Unterschied

Für die Praxis lassen sich die Sektoren in zwei Gruppen teilen. Zyklische Sektoren wie Industrie, zyklischer Konsum, Grundstoffe und Finanzwesen hängen stark an der Konjunktur: Läuft die Wirtschaft, steigen Gewinne und Kurse kräftig; im Abschwung fallen sie ebenso deutlich.

Defensive Sektoren wie Basiskonsum, Gesundheitswesen und Versorger liefern stabilere Erträge, weil Zahnpasta, Medikamente und Strom auch in der Krise gekauft werden. Dafür wachsen sie in guten Jahren langsamer. Wie sich beide Gruppen in einem Abschwung verhalten, beschreibt der Beitrag zur Rezession.

Warum Sektoren für Anleger zählen

Klumpenrisiko erkennen. Wer einen S&P-500-ETF und zusätzlich einen Nasdaq-100-ETF besitzt, hat oft weit mehr Technologie im Depot als gedacht – dieselben Unternehmen stecken in beiden.

Schwankungen einordnen. Technologie- und Energiewerte schwanken deutlich stärker als Versorger. Mehr dazu im Beitrag zur Volatilität.

Dividenden verstehen. Versorger, Basiskonsum und Energie schütten traditionell viel aus, Technologie wenig – siehe Dividendenrendite.

Wer sein Depot prüfen möchte, findet die Sektorverteilung im Factsheet jedes ETFs. Weicht sie stark vom Index ab, lohnt ein Blick auf die Diversifikation.

Abgrenzung zu anderen US-Indizes

Der S&P 500 wird oft mit dem Dow Jones Industrial Average verwechselt, der jedoch nur 30 Unternehmen umfasst und nach Kurswert statt Marktkapitalisierung gewichtet ist – eine methodisch deutlich ältere und heute als weniger repräsentativ geltende Berechnungsweise. Der S&P 100 ist wiederum eine engere Auswahl der 100 größten und liquidesten Werte aus dem S&P 500 selbst. Wer den Gesamtmarkt inklusive Technologiebörse abbilden möchte, schaut häufig zusätzlich auf den Nasdaq Composite oder den Nasdaq 100.

Warum der Index für Anleger wichtig ist

Für Privatanleger ist der S&P 500 vor allem deshalb relevant, weil unzählige kostengünstige Indexfonds und ETFs ihn eins zu eins nachbilden. Diese Fonds gehören zu den beliebtesten Bausteinen für den langfristigen, breit gestreuten Vermögensaufbau, weil sie mit einem einzigen Kauf ein Engagement in 500 unterschiedliche Unternehmen ermöglichen, ohne dass Anleger einzelne Aktien auswählen müssen.

Einordnung

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der S&P 500 ein guter, aber kein perfekter Spiegel der US-Wirtschaft: Er ist stark auf wenige sehr große Technologiekonzerne konzentriert, deren Kursentwicklung die Gesamtindex-Bewegung überproportional beeinflusst. Wer sich ausschließlich auf die Indexentwicklung verlässt, sollte sich bewusst sein, dass ein Großteil der Bewegung oft von einer Handvoll Schwergewichten getragen wird – nicht von der breiten Masse der 500 enthaltenen Unternehmen gleichermaßen.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

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