LS Exchange: Handel bis 23 Uhr über Lang & Schwarz

LS Exchange ist neben gettex und Tradegate der dritte große Handelsplatz, über den Neobroker ihre Orders leiten. Betrieben wird er vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz, beaufsichtigt von der Börse Hamburg.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇩🇪 Deutschland
BetreiberLang & Schwarz, Handelssegment der Hanseatischen Wertpapierbörse Hamburg
Start2019
Handelszeiten7:30 bis 23:00 Uhr
Market MakerLS Tradecenter
Börsengebührkeine

Wie LS Exchange funktioniert

Wie bei gettex stellt ein Market Maker die Kurse, hier das hauseigene LS Tradecenter. Er nennt fortlaufend einen Ankaufs- und einen Verkaufskurs; die Differenz ist seine Vergütung. Eine Börsengebühr fällt nicht an, was den Platz für Broker attraktiv macht, die ihren Kunden günstige Konditionen bieten wollen.

Rechtlich ist LS Exchange kein außerbörslicher Direkthandel, sondern ein Segment der Börse Hamburg. Damit gelten Börsenregeln, etwa zur Überprüfung auffälliger Kurse – ein Unterschied, den viele Anleger nicht kennen.

Stärken und Schwächen

StärkeSchwäche
lange Handelszeiten bis 23 Uhrabends fehlt der Referenzkurs von Xetra
sehr großes Angebot an Aktien und ETFsPreis stammt von einem einzigen Market Maker
keine Börsengebührbei großen Orders oft ungünstiger als das Orderbuch
schnelle AusführungAusführungsqualität schwankt je nach Wertpapier

Die Rolle von Lang & Schwarz

Lang & Schwarz ist eines der bekanntesten Wertpapierhandelshäuser Deutschlands und war lange vor allem im außerbörslichen Direkthandel aktiv. Mit dem Aufstieg der Neobroker wurde das Geschäft zum Wachstumstreiber: Je mehr Orders über die eigenen Systeme laufen, desto höher die Einnahmen aus der Handelsspanne.

Diese Abhängigkeit hat auch eine Kehrseite. Verliert das Haus einen großen Broker als Partner, bricht ein erheblicher Teil des Volumens weg. Für Anleger ist das weniger ein Risiko als ein Grund, die Konditionen im Blick zu behalten – wechselt der Broker den Handelsplatz, ändern sich auch Handelszeiten und Spannen.

Worauf Anleger achten sollten

Handelszeiten nutzen, aber mit Bedacht. Der Handel bis 23 Uhr ermöglicht es, auf US-Nachrichten zu reagieren. Dafür sind die Spannen dann breiter.

Immer limitieren. Besonders außerhalb der Xetra-Zeiten schützt ein Limit vor Überraschungen.

Gegenprobe machen. Bei wenig gehandelten Werten den Kurs mit einem zweiten Handelsplatz vergleichen.

Häufige Fragen

Ist LS Exchange dasselbe wie Lang & Schwarz Direkthandel?

Nein. Lang & Schwarz bietet daneben auch klassischen außerbörslichen Handel an. LS Exchange ist dagegen ein beaufsichtigtes Börsensegment.

Welche Broker nutzen LS Exchange?

Mehrere Neobroker leiten ihre Orders dorthin. Welcher Anbieter welchen Handelsplatz nutzt, steht in den jeweiligen Porträts im Broker-Vergleich.

Wie die Kurse entstehen

Der Market Maker leitet seine Preise vom Referenzmarkt ab, in der Regel Xetra. Darauf schlägt er eine Spanne, die sein Risiko und seinen Ertrag abdeckt. Je schwankungsanfälliger ein Papier und je dünner der Handel, desto breiter fällt sie aus.

SituationTypische Spanne
DAX-Aktie während der Xetra-Zeitensehr eng
ETF auf einen Weltindexeng
Nebenwert am Abenddeutlich breiter
Turbulente Marktphasebreiter, teils kurzzeitig ausgesetzt

Für Anleger heißt das nicht, dass der Handel teuer ist – bei Standardwerten liegt die Spanne oft unter dem, was ein Handelsplatzentgelt kosten würde. Entscheidend ist die Kombination aus Zeitpunkt und Papier.

Welche Papiere handelbar sind

Das Angebot umfasst Aktien aus Deutschland, Europa und den USA, dazu ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Bei Anleihen ist es dünn, bei Fonds ebenfalls.

Ein praktischer Vorteil: US-Aktien lassen sich hier in Euro handeln, ohne dass ein separater Währungstausch anfällt. Der Wechselkurs steckt dann allerdings im Kurs – ein Punkt, den man bei größeren Beträgen mit dem Handel an der Heimatbörse vergleichen sollte, wie im Beitrag zu den Handelsplätzen beschrieben.

Aufsicht und Mistrades

Als Segment der Börse Hamburg untersteht LS Exchange einer Handelsüberwachungsstelle. Sie kann Geschäfte aufheben, die zu offensichtlich falschen Kursen zustande kamen. Solche Mistrade-Regeln sind im Regelwerk festgelegt und greifen in beide Richtungen – auch zulasten des Anlegers, wenn dieser von einem Fehlkurs profitiert hätte.

Im außerbörslichen Direkthandel ohne Börsenaufsicht gelten stattdessen die Bedingungen des Handelspartners. Wie die Aufsicht insgesamt organisiert ist, erklärt der Beitrag zur BaFin.

Einordnung im Vergleich

KriteriumLS ExchangeXetra
Preisbildungein Market MakerOrderbuch vieler Teilnehmer
Handelszeit7:30 bis 23:00 Uhr9:00 bis 17:30 Uhr
BörsengebührkeineHandelsplatzentgelt über den Broker
Große Ordersungünstigerbesser
Nebenwerte und Anleihenbegrenztbreiter

Geschichte und Einordnung

Lang & Schwarz wurde 1996 in Düsseldorf gegründet und war zunächst im Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen aktiv. Bekannt wurde das Haus durch den außerbörslichen Direkthandel, bei dem Banken ihre Kundenorders direkt gegen den Market Maker ausführen.

2019 kam mit LS Exchange ein eigenes Börsensegment hinzu, betrieben unter dem Dach der Hanseatischen Wertpapierbörse Hamburg. Der Zeitpunkt war günstig: Genau in dieser Phase starteten die ersten Neobroker in Deutschland und suchten Handelsplätze ohne Börsengebühr.

Welche Orderarten möglich sind

Das Angebot ist schlanker als im Orderbuchhandel, deckt aber die wichtigsten Varianten ab.

OrderartVerfügbarkeitHinweis
Limitjadie empfohlene Standardwahl
Marketjaaußerhalb der Xetra-Zeiten riskant
Stop LossjaAuslösung führt zur Ausführung zum nächsten Kurs
Stop Limitje nach Brokerschützt zusätzlich vor schlechten Kursen
Trailing Stopje nach Brokernicht überall angeboten

Welche Varianten tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt weniger vom Handelsplatz als vom Broker ab. Neobroker bieten oft nur Limit und Market an.

Wann sich LS Exchange lohnt

Bei Standardwerten und ETFs während der Haupthandelszeiten – die Spannen sind dann eng, Gebühren fallen keine an.

Am Abend, wenn US-Nachrichten Kurse bewegen und Xetra geschlossen ist.

Weniger geeignet für große Orders, Anleihen und selten gehandelte Papiere.

Häufige Missverständnisse

„Gebührenfrei heißt kostenlos.“ Nein. Der Market Maker verdient an der Spanne. Bei engen Spannen ist das günstig, bei breiten teuer – nur eben nicht auf der Abrechnung sichtbar.

„Der Kurs ist manipuliert.“ Die Preise orientieren sich an den Referenzmärkten und unterliegen der Handelsüberwachung. Abweichungen entstehen durch Risiko und Zeitpunkt, nicht durch Willkür.

„Abends handeln ist wie tagsüber.“ Nach Xetra-Schluss fehlt die Preisreferenz. Kurse können stärker schwanken, die Spannen sind breiter.

Einordnung

LS Exchange ist eine solide Wahl für Standardwerte und ETFs während der Haupthandelszeiten. Wer abends handelt, sollte die breiteren Spannen einkalkulieren.

Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Übersicht Handelsplätze.

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Stand: September 2026. Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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